Spa Francorchamps (Die Dame Egli geht auf eine lange Wanderung) European Classic Series - Endurance


Planen und anreisen

Nach Colmar Berg hatte die alte Dame EGLI Kawasaki (#X 26) Lust auf mehr Leben. Der Laverda Paule hatte tiefe Spuren im Gedächtnis hinterlassen. Was kann es da besseres geben, als sich an einer längeren Wanderung vom Tag in die Nacht zu beteiligen. Ihre Garderobe hatte trotz vieler Altersspuren ja bereits in Luxembourg diversen Kavalieren gefallen – das müsste in Belgien doch genau so sein? Gehwägelchen und Herzschrittmacher waren gefühlt fit für eine 12 – Stunden Strapaze – und hier ging es gerade mal um vier davon.

Martin hatte wieder seine berühmte Deutschland – Navigation dabei und kutschierte das alte Wohnmobil mit Hänger durch die Lande. Mit Tempo 95 Kmh bergab an den Lastern vorbei und dann mit 45 Kmh den Berg hoch war er der Liebling der Brummi Fahrer. Diese zeigten mit Pfeiftönen und etwas lauteren Geräuschen, wie wunderbar sie diese lebhaften Tempo – Volatitiläten fanden.

Bravo für diese stramme Haltung (Mittelfinger hoch).

Wie stets verabschiedete sich sein System bei Aachen mit dem Hinweis in englisch, dass er sich nicht mehr auf einer Strasse befände. Allerdings schien die Fuhre geländegängig genug, um nach etwa zwei weiteren Stunden die dreisprachigen Einheimischen rund um den Berg und Tal Wanderkurs mit der Frage zu nerven, wo denn nun eigentlich der Eingang sei. Er hatte mir gesagt: „Ich war schon drei Mal dort – ich kenne da jeden Baum“.

Umlandbesichtigung und Boxenstand

Bäume neigen dazu, sich jährlich durch Wachstum zu verändern, wie sie auch zum Teil Winters die Blätter abwerfen und Sommers wieder sprießen lassen. Der Fähnleinführer der Wanderfreunde hatte für das erste Treffen nur eine von drei Zufahrten frei gegeben und so fand sich die Dame Egli K. auf einer interessanten Besichtigungs-Tour rund um Francorchamps wieder = wirklich tolle Höhen und Täler; Ardennen fast so schön wie der Taunus und weite Blicke in die Ferne (nur keine Rennstrecke).

Endlich angekommen und eingecheckt in der Pension hatte man ihr ein Zimmer mit der Nummer 35 reserviert - allerdings ein Gemeinschaftsquartier! Zwei andere Kavaliere, der eine aus Oberitalien mit zwei kräftigen Schultern in V – Form mit der Nummer 399 namens Moto Guzzi, der andere ein weit entfernter hoch-adeliger Verwandter mit gleichem Familiennamen: Kawasaki. Allerdings ein Kaiser (# 43; Kaiser Classic Endurance). Beide deutlich jünger und schicker, frisch eingekleidet und mit superben Steuerleuten und Tross versehen. Höflicherweise überließen sie der Dame das Bett am großen Fenster zur Strecke vorne links. Von der Fläche her allerdings nur etwa 20%, aber diesbezüglich lagen die Ansprüche der Dame EGLI Kawasaki niedrig, zumal sie den erfolgsgewohnten Adelsverwandten zu ihrer Rechten fand. Der freundliche Italiener Moto Guzzi half sogar mit ein paar Flicken zur Herstellung einer praktischerweise vergessenen korrekten Nummerierung der alten Dame. Bei diesen Wanderungen werden die Teilnehmer öfters durchgezählt.

Wetter – was sonst und Quali

Die kalte Sofie hat offenbar gleichsprachige, feuchte Verwandte, die gerne mal bei mäßigen Temperaturen die Sonne zeigen um dann um so überraschender die gepflegten Grüns der belgischen Kleingärtner zum Wachstum anzuregen. So kübelte es am Freitagmorgen. EGLI K. war energisch aufgestanden – galt es doch, den versammelten Verehrern – viele davon sogar weitläufige Verwandtschaft (wenigstens dem Namen nach) zu zeigen, wie vital und wanderlustig sie trotz der Falten war. Frohen Mutes marschierte sie im Pulk und war erstaunt über einen 25. Platz im Regen. Der war aber der männlichen Unlust zu diesen Wanderbedingungen zuzuschreiben, denn im Trockenen sah die zuvor höfliche Begleitung ganz anders aus (51. von 56).

Rennen fahren ist auf der Langstrecke in der Hauptsache eine Sache der Erfahrung. Sönke G. aus Berlin war neben mir der zweite Pilot um der alten Dame EGLI K. die Richtung zu zeigen. Er war gut sechs Sekunden pro Runde schneller als der alte Sack. Pro Jahr Altersunterschied eine Sekunde hätten es 16 sein dürfen. Also alles im grünen Bereich. Interessanterweise verlangt die Fähnleinführung einen Seh- und Fahrtest bei Nacht. Wahrscheinlich weil der Wanderdünen-Fahrer - nämlich ich - so klapprig aussah, dass man ihm auch Blindheit unterstellte.

Nächtliche Erholung

Nachdem die alte Dame sich in der Quali von ihrer besten Seite gezeigt hatte, waren wir gut gelaunt um Mitternacht auf ein spätes Bier zu einem netten Restaurant gefahren. Der freundliche Eigentümer sah uns kommen, erinnerte sich an den Vorabend - und schloss schnell Eingang und Fensterläden.

Was tun? Der ebenso freundliche Vermieter der Ferienwohnung war offenbar im Biergeschäft unterwegs und hatte uns eine dreiflaschige Werbebotschaft im Kühlschrank hinterlassen.

Bekanntlich steht man auf einem Bein nicht so gut. Von meinem eigenproduzierten Äppler = Apfelwein hatte ich zum Testen 5 Liter diverser Provenienzen (Speierling, reiner Boner und Apfel/Birne) mitgebracht. Sönke G. erwies sich, trotz Vorerfahrung aus dem Schwäbischen, als wissbegieriger Äppler-Eleve. Horst S., der uns begleitete um mit einer roten Kiste auf die Strecke zu winken – meistens so spät, so dass wir oft nicht wußten, ob wir überhaupt noch in den Ardennen waren - war ebenfalls Äppler-Verehrer und informierte détailliert über die

Ungefährlichkeit größerer Trinkmengen naturreinen Apfelweines. Am Ende der Ausführungen war es 4 Uhr früh = super Vorbereitung auf die lange Wanderstrapaze der alten Lady am nächsten Tag.

Horst S. Sönke G.

Natürlich schliefen wir uns aus. Um 13 Uhr frisch geduscht und eine interessante Kopfgröße. Da lobe ich mir die Inder, die tragen sehr flexible Turbane – keine Helme – es fahren aber keine mit.

Briefing

Vor einer längeren Wanderung gibt es stets eine Information des Fähnleinführers an alle Teilnehmer, wo und wie eingekehrt werden soll, was passiert, wenn man sich den Fuß unterwegs verstaucht (da wird mit Fahnen gewunken und die Krankenwagen haben gelbe Lichter) und so weiter. Die Dame EGLI K. hatte sich schon darauf gefreut, dass wenigstens ein paar blaue Fahnen ihr zu Ehren geschwenkt werden (das sind die, wenn ein flotter Kavalier Kontakt machen möchte). Nun hatte diese freundliche Vorabinstruktion am Morgen um 10:30h stattgefunden. Da träumten wir Piloten noch von viel schöneren Dingen. Sönke meinte eine halbe Stunde vor dem Warm-up „sag mal, wann ist denn das Briefing?“.

Es gibt im Leben nur wenige Momente, die so eindringlich und belebend auf Hirn und Körper wirken, dass ganze ICE’s im Gesicht entgleisen. Obwohl im rechten Knie ein Teilersatz arbeitet und im Linken der Innenmeniskus sich in verschiedene Teile und Richtungen begeben hat, würde sich Usein Bolt gewundert haben, wie ihn da ein alter Sack und sein jüngerer Freund aus Berlin auf 60m zum Organisationsbüro überholten. Ein mitleidiger Alexandre übernahm die Story der Einkehrschwünge und geplanten Fahnenübungen und die alte Dame durfte bei trockenem Wetter mitmarschieren.

4 Stunden Endurance

Freundliche Kavaliere waren das aber nicht. Im Vorbeifahren grüßten die nicht mal. Am flottesten waren ein Engländer namens John Mac Guinness und der Sohn des Kaisers namens Oliver Skach.

Andere unhöfliche Vorbeikommer hießen Stephane Mertens oder Marcel Kellenberger.

Abgesehen von einem Schwächeanfall, bei dem sie in Richtung Box geschoben werden mußte, häufiger herausgefallenen Tempostufen und diverser Herzrhytmusstörungen, bei denen der eingebaute Defibrillator keine gute Figur machte, marschierte sie Runde um Runde mit. Viele Kavaliere kamen mehrfach vorbei – allerdings weiterhin ohne Aufwartung zu machen. Darüber war sie zeitweilig etwas beleidigt und sich fast überfordernd kroch sie auch (mit Sönke) an dem Einen oder Anderen vorbei ohne zu grüßen. Am Start wurde sie noch am Ende der 56-köpfigen Wandertruppe angeschoben, marschierte aber letztlich so vor sich hin bis auf Platz 34.

Werde bei 32:38 überholt.

Da staunte der alte Sack, Sönke war‘s zufrieden, Martin R., ihr Krankenpfleger, war nebst seiner lieben Gattin Annette und Tochter Corinne außer sich vor Sorge um den Gesundheitszustand der alten Dame und platzte gleichzeitig vor Freude weil er ihr schließlich ja Herz und Gehapparat wieder in Schwung gebracht hatte. Er war auch ständig mit (Öl-?) Spritzen und scharfen Duftstoffen bereit, Ohnmachtsanfälle infolge Erschöpfung zu beheben.

Freunde

Boxennachbar und Freunde Klaus, Thomas und Gabriel als Fahrertrio mit einer jüngeren Verwandten (# 76; Bikeside Endurance) waren nach viel Gedöns bestens durchgewandert (25.) und vergaßen nach der Zieldurchfahrt nicht, sich bis um halb sechs Uhr früh die Köpfe auf Übermaß zu bringen.

Heißt das nicht honen?

Bikeside Endurance - Team

Martin, Annette, Rainer

Horst fuhr ununterbrochen grinsend nach Dörrebach (da stand sein Auto) und will jetzt seine jahrelang herumstehende BMW wieder beleben.

Nächstenliebe

Gabriel bewies einmal mehr seine christliche Sonderfunktion. Nachdem er schon total grippekrank in Le Castellet Nächtens das mit platter Batterie havarierte Diesel-Auto des alten Sackes (mit langem Dudeln aus dem Elektrikzentrum seines Sprinters) wieder zum Leben er-

weckte, half er dem Martin R. in Spa mit Hammer und Meißel die Schließanlage am Lenker des Wohnmobils auf eine viel bequemere Nutzung (ohne Schlüssel) umzurüsten.

Wer schließt so alte Karren denn auch überhaupt noch ab? Bedenklich ist hier aber das kriminelle Fachwissen eines Erzengels.

Fazit: Die alte Dame Egli Kawasaki kann noch länger wandern – es darf nur nicht zu schnell sein. Der alte Sack sollte nach wie vor schlanker werden und einfach mal seinem Kumpel Sönke nicht nur den Äppler, sondern auch mal das Wasser reichen. Aragon kann kommen.

#foto

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